Erfolgreiche Welpenerziehung
- wie geht das?


Die Kunst der erfolgreichen Welpenerziehung besteht darin, sich Gedanken darüber zu machen, was ein Welpe jeweils gerade braucht. Damit sind nicht nur seine Grundbedürfnisse gemeint, sondern vor allem auch seine sozialen Bedürfnisse.

Es geht also darum, ein Gleichgewicht zwischen einer ernsthaften Erziehung mit all ihren dazu notwendigen Einschränkungen deines Welpen in eurem gemeinsamen Alltag und dem gleichzeitigen Erfüllen seiner Bedürfnisse zu finden.

Heisst zum Beispiel, er muss kauen können. Aber nicht am Stuhlbein deines teuren Nussbaumholztisches! Und er muss spielen können. Aber nicht mit dem Stromkabel!

Junger Mann hält voller Freude einen Welpen in die Luft
Welpenerziehung - eine wunderschöne Aufgabe. Bildquelle Unsplash

Das bedeutet halt eben, dass ich mir die Zeit nehmen muss, um ihm all das schrittweise zu «erklären». Das bedeutet aber auch, dass ich lernen muss, wann mein Welpe eine solche Frage stellt. Wichtig ist dabei, zu wissen, dass er diese Fragen nur weiterhin stellen wird, wenn er immer wieder auch Antworten darauf erhält, die er verstehen kann, also Antworten in SEINER Sprache.

Diese Sprache geht nicht über all das Menschen-Gedöns im grossen Unterhaltungs- und Werbeeinnahmen-Stil, das so viele Welpenbesitzer tagtäglich auf YouTube und im Fernsehen konsumieren. Sondern über das tiefe Verständnis darüber, wie Hunde sich aus ihrer Natur heraus untereinander verhalten, wenn sie Welpen haben.

Die Grundbedürfnisse eines
Welpen mit 8 Wochen

Der ideale Zeitpunkt, einen Welpen zu sich zu holen, ist die 8. Woche, weil die natürliche, angeborene Entwicklungsstufe eines Welpen zu diesem Zeitpunkt ihm sagt, dass er jetzt aus der alleinigen Behütung durch seine Mutterhündin ans Rudel sozusagen übergeben wird, sodass die ganze Gemeinschaft ihn erziehen kann.

Diesen Wechsel weg von der Mutterhündin und hin zum (neuen) Rudel – deiner Familie - können wir somit im Idealfall während insgesamt acht Wochen, also von Woche 8 bis Woche 16, für die Eingewöhnung und Grunderziehung unseres Welpen intensiv nutzen – sollten wir auch!

Kleiner Welpe knabbert am Finger
Welpenerziehung macht viel Freude. Bildquelle: Unsplash

Denn in dieser Zeit nimmt unser Welpe alles Neue buchstäblich auf wie ein Schwamm: Erlebtes wird jeweils sofort aufgenommen und in seinem Erfahrungsschatz gespeichert. Damit all diese Eindrücke optimal verarbeitet werden können, hat er so etwas wie einen natürlichen Filter eingebaut: er nimmt vor allem das wahr, was unmittelbar vor ihm ist. 

Du tust also gut daran, immer wieder vor seine Nase zu hüpfen und deine Hände an seinem Fell zu benützen, wenn du ihn z.B. daran hindern willst, etwas zu tun, was er nicht soll, wie z.B. ungefragt weglaufen zu einem anderen Hund. Was eben jeder Hund auch tun würde, wenn er für den Welpen verantwortlich wäre. Und damit eben genau das Gegenteil von dem, was die meisten Welpenbesitzer tun, die einfach an der Leine ziehen oder ihm ein Leckerli hinhalten.

Mann mit Mütze lässt sich lachend von zwei Welpen auf seinem Arm begrüssen
Welpenerziehung ist vor allem Beziehung. Bildquelle Unsplash

Die folgenden Faktoren für eine erfolgreiche Welpenerziehung über eine vertrauensvolle Beziehung helfen ihm dabei ungemein in seiner weiteren Entwicklung: er braucht unbedingt eine Hauptbezugsperson, die in den ersten Tagen und Wochen ausschliesslich für ihn da ist; eine erwachsene Person also,

  • die ihn persönlich beim Züchter abholt, in dem sie ihn während der Fahrt in ihren Armen oder zwischen ihren Füssen hält, während eine andere Person sie fährt.
  • die bei ihm am Boden schläft, sodass der Kontakt mit seiner Bezugsperson auch nachts niemals abbricht.

Halte diesen Kontakt vor allem während der ersten Tage ununterbrochen aufrecht. Spiele viel mit deinem Welpen. Und du machst mehr für deine Beziehung, als du je wieder wirst tun können.

Frau hält sich ihren Welpen ganz nah ans Gesicht
Welpenerziehung heisst am Anfang, viel Nähe zu geben. Bildquelle Unsplash

Ein guter Freund von mir hat mir berichtet, dass ihm kalt war da auf dem Boden mit seinem erwachsenen Hund und seinem Welpen, und dass der Welpe sich immer an genau diese kalte Stelle gelegt hat, dass wieder allen warm war. Solche Erlebnisse zeugen nicht nur von einer angeborenen Empathie, der Fähigkeit also, sich in den anderen hineinzuversetzen, sondern eben auch von der Tatsache, dass ein Welpe als hochsoziales Wesen sich ganz einfach von Natur aus als ein einziges, ganzes Rudel gemeinsam mit seinen Sozialpartnern versteht.

Ich nenne unsere bemerkenswerte Hunde daher gerne und ganz einfach WIR-Tier. Schon vor seiner Geburt war ein Welpe, anders als der Mensch (ausser er hat einen Zwilling), schon immer «gemeinsam» unterwegs - schon im Gebärmutterhorn im Körper der Mutterhündin gab es ein WIR, ein MITEINANDER!

Falle Nr. 1 – die Hundebox 

Leider wird vielerorts von Hundetrainern vermittelt, man müsse den Welpen nachts und sogar tagsüber in eine Box stecken, dies mit den beiden Absichten, ihn zur Ruhe zu bringen und seine Stubenreinheit schneller zu erreichen. Mir blutet das Herz jedes Mal, wenn ich mir vorstelle, welche grosse Chance ein jeder mit seinem Welpen verpasst, sich von Anfang an eng mit seinem Welpen zu verbinden, wenn er ihn ein-, ja wegsperrt, statt für ihn da zu sein!

Das nennt man dann gewaltfreie Welpenerziehung. Was für eine Katastrophe. Sie ist im übrigen auch offensichtlich und leider sehr weit verbreitet: Welpen, die früh eingesperrt wurden statt klare Nachrichten und persönliche(!) Abgrenzungen von ihrem Menschen zu erhalten, haben keinen echten Kontakt zu ihrem Menschen. Macht dieser die Leine ab…. sind sie einfach weg.

Welpe hinter Gittern in einem Tierheim
Welpenerziehung hinter Gittern - leider in vielen Haushalten die traurige Realität in Form einer Hundebox. Bildquelle Unsplash

Also, lieber Welpenbesitzer, wenn du das liest: folge deinem Herzen und unterbrich gerade am Anfang eurer Beziehung niemals den Kontakt zu deinem Welpen – du würdest damit das grösste Geschenk verschwenden, das dir jemals gegeben wurde. Lerne von deinem Welpen, und du kannst ein besserer Mensch sein, ja sogar eine Menge von deinem Welpen lernen über soziales Verhalten, das man dir selbst in unserer umsatzgesteuerten Leistungsgesellschaft aktiv abtrainiert hat!

Vor allem aber kannst du derjenige sein, den dein Welpe nun so dringend braucht. Ich weiss doch, dass du alles richtig machen möchtest. Aber die meisten Welpenbesitzer tappen immer wieder in dieselben Fallen, weil sie es «eben so» gelesen oder gesehen haben. Die Leine gehört übrigens ebenfalls zu diesen Katastrophen – mehr dazu weiter unten.

Was dein Welpe im Alter
ab 12 Wochen braucht

Mit der 12. Woche könnte man es so formulieren, dass der Welpe langsam aber sicher ein Gefühl für seine eigene Identität bekommt. Er tritt sozusagen vom Kindergarten- in das Grundschulalter über.

Für die zweite Hälfte seiner Welpenzeit bei dir, also zwischen Woche 12 und Woche 16, braucht er nun ganz bestimmte Nachrichten, die ihm erste Anweisungen geben, welchen Platz er denn in dieser sozialen Gemeinschaft, deinem Haushalt, deiner Familie, einnehmen darf und soll.

Falle Nr. 2: die Hundeleine

Zu dieser Phase der erfolgreichen Welpenerziehung gehören allerspätestens klare Regeln wie zum Beispiel erste Befehle im Sinne von klaren Anleitungen, mit denen du ihn zielsicher durch den Alltag führen kannst, ohne eine Leine zu brauchen – die ja in seiner Natur eh nicht vorkommt und daher in der erfolgreichen Welpenerziehung keine zentrale Rolle spielen darf.

Australian Shepherd Welpe mit Hundegeschirr und Leine
Welpenerziehung darf auf keinen Fall an die Leine delegiert werden. Bildquelle Unsplash

Denn wenn dein Welpe genau weiss, was er in einer bestimmten Situation tun soll, spürt er nicht nur, dass du für ihn da bist, sondern auch, dass er immer wieder etwas Wertvolles für sein "Rudel" tun darf.

Achte unbedingt darauf, dass du die Leine nur als Hilfsmittel für nebenbei und in gefährlichen Situationen nutzen solltest, niemals aber, um ihn damit aktiv einzugrenzen oder gar dauerhaft an dich zu fesseln, so wie es leider die meisten Welpenbesitzer aus Unwissen tun.


Im natürlichen Verhalten von Hunden wird Rudelordnung über Nähe und Distanz vermittelt. Das ist nichts anderes, wie auch Atome funktionieren – halt eben wie immer in der Natur: im Kleinen wie im Grossen finden sich dieselben Naturgesetze.

Das bedeutet für dich, dass du dir darüber klar werden solltest, wie Hunde Rang- und Rudelordnung - anders gesagt «wie stehen wir eigentlich zueinander?» - untereinander regeln. Vermittelst du jetzt genau diese Regeln in der Woche 12 bis 16 an deinen Welpen, wird er sich zutiefst verstanden wissen, wird dich und deine Nachrichten überhaupt erst richtig verstehen.

Somit ist ein weiterer wichtiger Schritt in eurer Beziehung und in Richtung erfolgreiche Welpenerziehung in die Wege geleitet.

Falle Nr. 3 – das Leckerli

Auch hier, bei den ersten Befehlen, würden 0815 Hundetrainer wieder mit irgendwelchen Leckerli-Bestechungen an einem HIER! oder Leine-Laufen in Form einer lächerlichen Zirkusnummer herumbasteln. Erneut würden sie dir raten, deinen Welpen über ein äusseres Hilfsmittel zu «trainieren». Das wäre aber genau das Gegenteil von einem sozialen Miteinander.

Welpe wird von einem Kind auf dem Arm gehalten
Gerade Kinder verwechseln oft Leckerli mit Welpenerziehung - und wie steht es mit den Erwachsenen? Bildquelle Unsplash

Denn echte soziale Interaktion besteht eben darin, dem zu erziehenden Welpen erst einmal absolute Klarheit über DEINE eigene Persönlichkeit zu geben. Nur so kann er sich dann in deiner Persönlichkeit spiegeln und ein Gefühl dafür kriegen, wer du bist. Und dann daraus schliessen, wer ER ist! Und wiederum nur so kann er sich gemäss seiner Natur weiterentwickeln.

Steht hier ein Leckerli zwischen dir und einem Welpen – wird für immer eine Weiche in Richtung Futter gestellt, sozusagen in den Welpen REINKONDITIONIERT, damit natürlich veranlagtes Sozialverhalten regelrecht verhindert bis «abtrainiert». In Richtung weg von dir. Das genaue Gegenteil von dem, was du dir wünschst: einen Welpen, der sich dir vertrauensvoll anschliesst, dir überall hin VON SICH AUS folgt – egal was kommt.

Wie wird mein Welpe
am schnellsten stubenrein?

Glaube mir: gehst du richtig vor, lebst du dich in die Hundewelt und deren Kommunikation und natürliches Verhalten ein, so wirst du dir auch z.B. niemals Gedanken über die Stubenreinheit machen müssen – sie kommt nämlich zwischen der Woche 12 und 14 wie von selbst.

Achtung: das mit Doofste, was ein Welpenbesitzer machen kann, ist ihm ein Leckerli zu geben und eine FEIN-Party zu veranstalten, wenn ein Welpe so was Normales wie ein Pipi auf der grünen Wiese hinkriegt. Wie könnte er sich einem solchen Dödel an seiner Seite auch jemals ernsthaft anschliessen wollen, ihm gar ein Leben lang ernsthaft folgen wollen?

Welpe schaut direkt in die Kamera
Richtige Welpenerziehung führt von selbst zur Stubenreinheit. Bildquelle Unsplash

Nehmen wir jedoch unseren Welpen in seinem ursprünglichen Wesen als WIR-Tier wahr und damit all seine sozialen Bedürfnisse wirklich ernst, so können wir den Weg zu einer erfolgreichen Welpenerziehung, einer gesunden Entwicklung und einer harmonischen, sehr vertrauensvollen Beziehung mit unserem Welpen nicht mehr verfehlen.



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